Lyrik

Der Tag

Fließt der Sand erneut hinab,
so fällt das Korn, verinnt in Zeit
wird selbe mir auch langsam knapp
der neue Tag ist nicht mehr weit.

Der Abend sich der Nacht gewandelt
so bette ich mich, geh zur Ruh
frag' mich, wovon der Traum nun handelt
er handelt, leider, von einer Kuh.

Die Kuh frisst Gras, ich kann es sehen
mal grün, mal blau, gar sonderbar
und wie's so frisst, so ist's geschehen
der nächste Morgen steht schon da.

Gar grausam klingt der Wecker Ton
ist doch so laut, so schrill so scharf
als würd er schreien, voller Hohn
dass ich nicht weiter ruhen darf.

Wie ich mich quäle, aus dem Bett
merk ich, ich deck mich mit dem Polster
so find ich dies nicht wirklich nett
denn kalt ist mir und wird mir kälter.

Langsam auch die Kuh nun schwindet
aus meinem Geiste weicht der Traum
das Leben sich um mich windet
ein neuer Tag, ich glaub es kaum.

"So stehe auf und mach dich frisch!"
sprech' ich zu mir, "ich meine dich!"
"geh hinauf, setzt dich zu Tisch!"
und wieder meine damit: mich.

Kaum bin ich fertig, steh' auf und geh'
zum Bus, zur Arbeit, zum Interspar
Die Zeit, zu langsam, und ich fleh'
nun geh doch schneller, ist doch wahr!

Wie ich nun wart' auf jenes Ende
auf neue Stunde, neues Glück
auf Feierabend, die gute Wende
des Zeigers Weg springt um ein Stück.

Ist es dann schlussendlich geschafft
ist es vollbracht, ende der Arbeit!
Dies Wissen gibt mir frische Kraft
und schnell vergeht erneut die Zeit.

So sitz' ich hier, der Tage neigt sich,
dem Abend, kaum ist dieser da,
so ist es Nacht, ich wunder mich,
die Zeit vergeht, so rasch so gar.

...
So entschwind' ich wieder dieser Welt
in einen Traum, gar ohne Kuh
ich gestalt' ihn, so wie gefällt
so hab' ich Zeit, so find' ich Ruh.
(c) Thomas Mühlgrabner, 2005-2006

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